Ergo- und Arbeitstherapie in der Forensischen Psychiatrie

Bei der Ergotherapie werden Patienten motiviert, sich mit verschiedensten Materialien wie Ton, Papier, Stoff, Wolle, Holz und Peddigrohr auseinander zu setzen. Dabei dient die Ergotherapie nicht nur der Ablenkung von Krankheiten oder Störungen, sondern kann den Fokus des Patienten zunehmend auf Aktivitäten lenken, die ihn ganzheitlich erreichen (d.h. sowohl motorisch funktionell, geistig intellektuell als auch psychisch emotional).
Sich zu beschäftigen wissen, etwas aktiv zu tun, ist ein wesentlicher Bestandteil der Selbstwahrnehmung, Selbsterfahrung und der Auseinandersetzung mit Problemen.
Ziele der Beschäftigungstherapie
- Förderung von Aufmerksamkeit, Konzentration, Geduld und Ausdauer
- Erhöhung der Frustrationstoleranz
- Erlangen und Stabilisieren des Selbstwertgefühls
- Förderung der Kommunikation und Toleranz gegenüber anderen
- Förderung bzw. Festigung der bereits vorhandenen Fähigkeiten (Hobbyfindung)
- Aufbau nicht vorhandener Strukturen und aufdeckendes Arbeiten durch ausdruckszentriertes Gestalten

Arbeitstherapie als Zukunftsorientierung
Den nächsten Schritt für forensische Patienten stellt die Eingliederung in die Arbeitstherapie dar.
Das Einhalten eines geregelten Tagesablaufs, sowie die Vorbereitung in Richtung einer Berufsausbildung und des ersten oder zweiten Arbeitsmarktes sind für die meisten der Patienten von elementarer Bedeutung. Dies bietet ihnen nach der Entlassung eine Grundlage zur sinnvollen Lebensgestaltung. Um sie optimal auf ihre Entlassungsperspektive vorzubereiten, werden zusammen mit den Einzeltherapeuten individuelle Therapiepläne zur Ressourcenförderung und Behandlung von Defiziten erstellt. Kerngebiete für forensische Patienten sind hier neben dem Erlangen handwerklicher Kompetenzen die selbständige Strukturierung ihrer Arbeit, die Organisation von Arbeitsabläufen, ein adäquates Zeitmanagement, die gleichzeitige Sicherung einer qualitativen Ausführung und ein angemessener Umgang mit Therapeuten sowie ihren “Kollegen”, Kompetenzen in der Kommunikation, dem Miteinander und der Kritikfähigkeit.
Folgende Bereiche stehen zur Verfügung:
- In der AT Demontage: werden die Patienten bis zu 5 Tage pro Woche auf ihre Belastbarkeit hin erprobt.
- In der Holzwerkstatt: wird sich an den Inhalten des Berufsvorbereitungsjahres Holztechnik orientiert und erfolgt die Aufteilung in einen Basiskurs für die Vermittlung von Grundkompetenzen sowie eine produzierende Leistungsgruppe für fortgeschrittene Patienten.
- Die Nähwerkstatt: bietet Patienten die Chance, das Handwerk des Nähens zu erlernen und somit verschiedenste Projekte sowohl für sich selbst als auch für die Klinik anzufertigen. Letzteres kann durch die Etablierung eines Arbeitsplatzes im Rahmen der Arbeitstherapie realisiert werden. Sie ermöglicht das Training von Selbststrukturierung, Belastbarkeit, Problemlöseverhalten und vielen weiteren Fähigkeiten, die für das praktische/alltägliche Leben notwendig sind. Des Weiteren wird Patienten, die nicht regulär eingetaktet sind, einmal die Woche die Möglichkeit angeboten, eigene Kleidungsstücke etc. unter entsprechender Anleitung zu reparieren.
- Extern: haben wir die Möglichkeit, Patienten mit entsprechender Ausgangsstufe in der klinikeigenen Gärtnerei, der Cafeteria, dem innerbetrieblichen Transportdienst bezüglich ihrer Arbeitsfähigkeit und Belastbarkeit zu erproben.