Pressemitteilung vom 18. September 2026

Historische Postkarte der Verwaltung
Sozialpsychiatrisches Psychotherapeutisches Behandlungszentrum
Suchtzentrum

150 Jahre: SKH Altscherbitz blickt auf wechselvolle Geschichte zurück – Festakt am 18. September 2026 würdigt Jubiläum  

Schkeuditz, 18. September 2026 – Das Sächsische Krankenhaus (SKH) Altscherbitz in Trägerschaft des Freistaates Sachsen, begeht in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen und kann mit seinen heute über 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Mit einem Festakt am 18. September 2026 in der Altscherbitzer Kirche würdigte das Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie das Jubiläum im Beisein von wichtigen Kooperationspartnern, Wegbegleitern, Mitarbeitenden und Ehrengästen. 

“Unser 150-jähriges Jubiläum ist für uns nicht nur Anlass, auf eine außergewöhnliche Geschichte zurückzublicken. Es ist zugleich eine Verpflichtung für die Zukunft. Wir wollen das bewahren und weiterentwickeln, was Altscherbitz über Generationen geprägt hat: den Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen. Gleichzeitig müssen wir den Mut haben, Medizin, Strukturen und Kooperationen immer wieder neu zu denken. Denn Tradition bedeutet für uns nicht Stillstand, sondern Zukunft auf einem starken Fundament,” erklärt Doreen Neu, Verwaltungsdirektorin des SKH Altscherbitz.

Petra Köpping, Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt: “Ein Jubiläum ist auch immer Anlass, danke zu sagen. Mein besonderer Dank gilt allen Mitarbeitenden das Krankenhauses, für die das Wohl der Patientinnen und Patienten immer im Mittelpunkt steht und die mit hohem persönlichem Einsatz und oft unter Zurückstellen persönlicher Belange eine bestmögliche Versorgung sichern. Der Grundstein für eine weitere positive Entwicklung des Krankenhauses wurde gelegt. Dies bietet Gewähr, dass das Krankenhaus, seine Geschichte zum Wohl der Patientinnen und Patienten erfolgreich fortsetzt.”

Am 1. Juli 1876 wurde das heutige Sächsische Krankenhaus Altscherbitz als “Provinzial-Irren-Anstalt Rittergut Alt-Scherbitz” gegründet. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Einrichtung zu einer weit über die Region hinaus bekannten psychiatrischen Klinik. Innovative Behandlungskonzepte wie das Offen-Tür-System, das Wachsaalsystem und die Arbeitstherapie prägten die Weiterentwicklung des Fachgebietes der Psychiatrie in Altscherbitz und begründeten den internationalen Ruf des Krankenhauses.

Bis 1912 entstanden neben der Zentralanstalt und den Versorgungsgebäuden zahlreiche Neubauten, darunter die charakteristischen Villen, ein Lazarett und die Altscherbitzer Kirche. In den 1920er-Jahren verbesserten technische Neuerungen wie die elektrische Stromversorgung, eine Warmwasseranlage und der Einsatz eines Röntgenapparates die medizinische Versorgung und die Lebensbedingungen der Patientinnen und Patienten. Zugleich wurden neue therapeutische Verfahren eingeführt.

Mit der Zeit des Nationalsozialismus begann ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Krankenhauses. Während der NS-Diktatur wurden die Versorgung und Betreuung psychisch kranker Menschen durch menschenverachtende Vorgaben zunehmend eingeschränkt. Etwa 5.100 Altscherbitzer Patientinnen und Patienten kamen infolge von Deportationen, Hunger und unzureichender medizinischer Versorgung ums Leben. An die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie erinnert heute im Park der Klinik ein ewige Tränen weinender Gedenkstein mit Gedenktafel. Mit einer jährlich Anfang Juni stattfindenden Gedenkveranstaltung bewahrt das SKH Altscherbitz die Erinnerung an die Opfer und ihr Schicksal.

In den 1950er- und 1960er-Jahren entwickelt sich das Krankenhaus zu einer für die damalige Zeit modernen Fachklinik. Die Eröffnung einer neurologischen Abteilung im Jahr 1965, einer kinderneuropsychiatrischen Abteilung 1966 und einer neurologisch-psychiatrischen Fachambulanz 1968 erweiterten das medizinische Profil wesentlich. In dieser Zeit entwickelten sich eigenständige klinische Bereiche für Psychiatrie, chronisch psychische Erkrankungen, Neurologie und Kinderneuropsychiatrie.

Bis zur politischen Wende 1989 kamen weitere spezialisierte Behandlungsangebote hinzu, darunter eine Psychotherapiestation, eine psychiatrische Tagesklinik und eine Suchtstation. Die Kinderneuropsychiatrie wurde 1992 geschlossen. Im selben Jahr wurde das Krankenhaus um den Bereich der Forensischen Psychiatrie mit Maßregelvollzug erweitert. Mit der Eröffnung eines eigens für diesen Bereich errichteten Klinikneubaus am 5. April 2007 wurden mit insgesamt fünf Stationen und 90 Betten moderne räumliche und therapeutische Bedingungen geschaffen.

Heute ist das Sächsische Krankenhaus Altscherbitz mit seinen Fachbereichen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sowie Neurologie in Trägerschaft des Freistaates Sachsen ein fester Bestandteil der Krankenhausversorgung in Nordsachsen und im Großraum Leipzig. Jährlich werden rund 7.160 Patientinnen und Patienten voll- beziehungsweise teilstationär und rund 20.000 Fälle ambulant im Krankenhaus und seinen zugehörigen Einrichtungen versorgt. Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des historischen Krankenhausstandortes war im Juni 2023 die Eröffnung des grundlegend modernisierten Gebäudeensembles der denkmalgeschützten Häuser 19/20/21. Hier befinden sich heute unter anderem eine Teilstation für junge Erwachsene, sechs Mutter-Kind-Einheiten für psychisch erkrankte Mütter und ihre Kleinstkinder, die Psychotherapiestation sowie die DBT-Tagesklinik für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung. 

 

Mit insgesamt 355 Betten und 132 neurologischen und psychiatrischen tagesklinischen Plätzen an drei Standorten verfügt das SKH Altscherbitz heute über ein breit gefächertes stationäres, teilstationäres und ambulantes Versorgungsangebot. Zwei Medizinische Versorgungszentren mit einer dazugehörenden Neuroradiologie, die Neurologische Notfallambulanz, die neuropsychiatrische Infusionsambulanz, die MS-Ambulanz und das Interdisziplinäre Schmerzzentrum ergänzen das medizinische Leistungsspektrum. Psychiatrische Institutsambulanzen an drei Standorten ermöglichen darüber hinaus eine wohnortnahe ambulante Behandlung und bieten zahlreiche spezialisierte Angebote. Dazu gehören unter anderem die ADHS-Sprechstunde, die Gedächtnissprechstunde, die Traumaambulanz sowie kinder- und jugendpsychiatrische Sprechstunden. Ergänzt durch umfangreiche diagnostische, therapeutische und medizinische Funktionsbereiche gewährleistet das SKH Altscherbitz eine umfassende und sektorenübergreifende neurologische und psychiatrische Versorgung für die Menschen in Nordsachsen und Leipzig.

Ein prägender Bestandteil des Krankenhausgeländes ist bis heute die Altscherbitzer Kirche. Als geistliches und kulturelles Zentrum bietet sie Raum für Konzerte, Ausstellungen und weitere Veranstaltungen. Für Patientinnen und Patienten, Mitarbeitende und Besucher ist sie zugleich ein Ort der Begegnung und der Stille.

Das Sächsische Krankenhaus Altscherbitz fühlt sich seiner 150-jährigen Geschichte ebenso verpflichtet wie seinem Auftrag als modernes Fachkrankenhaus. Dabei bedeutet Tradition nicht nur, auf medizinische und bauliche Entwicklungen zurückzublicken. Sie bedeutet auch, allen Kapiteln der eigenen Geschichte zu stellen, aus ihnen Verantwortung abzuleiten und die psychiatrische und neurologische Versorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Einen Einblick in diese wechselvolle Geschichte bietet die anspruchsvoll gestaltete Geschichtsgalerie des SKH Altscherbitz (Haus 1). Sie dokumentiert anhand zahlreicher Zeugnisse den Wandel der Psychiatrie von der Gründung des Krankenhauses im Jahr 1876 bis in die Gegenwart. Die Geschichtsgalerie ist mittwochs von 14.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.