Klinisch-Wissenschaftliches Kolloquium
Für 2026 erwartet Interessierte ein abwechslungsreiches und spannendes Programm an klinisch-wissenschaftlichen Kolloquien innerhalb des Festjahres zu 150 Jahre SKH Altscherbitz:
- Dienstag, 24. März 2026, 15.30 Uhr, Servicezentrum, Haus 9 – Klinisch-Wissenschaftliches Kolloquium: Dr. med. Moritz Verdenhalven (Frankfurt) - "Das Amtsenthebungsverfahren zu Friedrich von Rohden (ÄD Altscherbitz bis 1934)
- Dienstag, 28. April 2026, 15.30 Uhr, Servicezentrum, Haus 9: Klinisch-Wissenschaftliches Kolloquium: Prof. Dr. med. Thomas Müller (Ravensburg) – “Alternativen zur klassischen Anstaltsversorgung im späten 19. Jahrhundert. Albrecht Paetz, Alt-Scherbitz und seine Beiträge zur Fachdebatte”
- Dienstag, 9. Juni 2026, 15.30 Uhr, Servicezentrum, Haus 9: Dr. Kathleen Haack (Rostock): Klinisch-Wissenschaftliches Kolloquium: “Psychiatrie in der DDR zwischen Hilfe und Systemzwang”
- Dienstag, 16. Juni 2026, 17 Uhr, Servicezentrum (Haus 9): Prof. Seena Fazel, BSc (Hons), MBChB, MD, FRCPsych, Professor of Forensic Psychiatry (Oxford)”, Sächsisches Psychopathologisch-Forensisches Seminar - “Violence and mental disorders”, weitere Informationen
- Dienstag, 13. Oktober 2026, 15.30 Uhr, Servicezentrum, Haus 9 - Klinisch-Wissenschaftliches Kolloquium: Prof. Dr. med. Katarina Stengler: “Psychiatrische und psychosoziale Versorgung gerecht & verlässlich gestalten”
Veranstaltungsort ist für alle Kolloquien: Haus 9 - Großer Konferenzraum im Servicezentrum, Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz, Leipziger Straße 59, 04435 Schkeuditz
Wir bitten Sie um Ihre Anmeldung zur Teilnahme an den gewünschten Veranstaltungen.
Kontaktdaten zur Anmeldung: Elke Müßig, Sekretariat des Ärztlichen Direktors, Tel.: 034204 87-4306, E-Mail: Sekretariat.AerztlicheDirektion@skhal.sms.sachsen.de
Zertifizierung: Die Fortbildung wird durch die Sächsische Landesärztekammer zertifiziert.
Verkehrsanbindungen: Das Krankenhaus ist sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Straßenbahn Linie 11 Richtung Schkeuditz, Haltestelle Altscherbitz befindet sich direkt vor dem Ambulanzgebäude) als auch mit dem PKW (Parkplätze sind vorhanden) sehr gut zu erreichen
Kolloquien und ihre Referenten
24. März 2026, 15.30 Uhr
Haus 9 - Großer Konferenzraum im Servicezentrum
Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz, Leipziger Straße 59, 04435 Schkeuditz
Programm: “Das Amtsenthebungsverfahren zu Friedrich von Rohden”; Dr. med. Moritz Verdenhalven (Frankfurt)
Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. med. Peter Schönknecht, Ärztlicher Direktor, Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz
zum Vortrag
1931 wurde Friedrich von Rohden zum Direktor der Landesheilanstalt Altscherbitz ernannt. Obwohl von Rohden überzeugter Eugeniker war und auch Sterilisationen aus eugenischen Gründen schon vor Inkraftreten des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses durchführen ließ, wurde er bereits im September 1933 aus politischen Gründen wieder entlassen. In seinem Vortrag geht Dr. Moritz Verdenhalven einerseits der Frage nach, wieso jemand, der die zentrale Ideologie der NS-Psychiatriepolitik befürwortete, trotzdem aus politischen Gründen entlassen wurde. Andererseits wird versucht darzustellen, wie dieser Prozess das familiäre Narrativ prägte, denn bei Friedrich von Rohden handelt es sich um den Urgroßvater von Moritz Verdenhalven. Zwar haben sie sich nie kennen gelernt, allerdings spielt der Urgroßvater und seine Tätigkeit als Nervenarzt eine zentrale Rolle in der Familiengeschichte.

Der Referent: Dr. med. Moritz Verdenhalven (Frankfurt)
Kurz-Vita: Dr. Moritz Verdenhalven ist Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsmedizin Frankfurt am Main. Dort leitet er die Arbeitsgruppe “Geschichte der Psychiatrie”, die sich vor allem mit den Verstrickungen der Frankfurter Nervenklinik in die NS-Psychiatrieverbrechen befasst. Für seine Forschungen war er 2019 Gastwissenschaftler am Fritz Bauer Institut, einem An-Institut der Goethe Universität zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust.
28. April 2026, 15.30 Uhr
Haus 9 - Großer Konferenzraum im Servicezentrum
Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz, Leipziger Straße 59, 04435 Schkeuditz
Programm: “Alternativen zur klassischen Anstaltsversorgung im späten 19. Jahrhundert. Albrecht Paetz, Alt-Scherbitz und seine Beiträge zur Fachdebatte”, Prof. Dr. med. Thomas Müller (Ravensburg)
Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. med. Peter Schönknecht, Ärztlicher Direktor, Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz
zum Vortrag
Bei der Debatte um die sogenannte ‘Asylierung’ psychisch Kranker handelte es sich um eine der zentralen, mit Leidenschaft und Erbitterung geführten Debatten der Psychiatrie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als Alternativen zu den allerorts entstehenden “Anstalten” waren vor allem zwei Optionen Gegenstand ernsthafter wissenschaftlicher Erörterung: die in vielen Teilen Europas entstehende oder bereits existierende Psychiatrische Familienpflege (heute: Begleitetes Wohnen in Familien, BWF), sowie eine durch Albrecht Paetz (1851-1922) aus Alt-Scherbitz bei Schkeuditz bekannt gewordene, zweite Versorgungsstruktur - die sog. agrikole Kolonie. Beide Systeme fanden sich bereits 1868 in Wilhelm Griesingers programmatischem Beitrag „Ueber Irrenanstalten und deren Weiterentwicklung in Deutschland“. Die internationale Bedeutung, die die “Provinzial-Irren-Anstalt Rittergut Alt-Scherbitz”, auch dank Paetz, weit über Europa hinaus erlangte, ist in Teilen bekannt. Weniger hingegen die Einordnung der ausländischen Einrichtungen, die Paetz selbst aus Recherchegründen aufsuchte. Dieses Wechselspiel der Einflüsse ist Gegenstand des Vortrags.“

Der Referent:Prof. Dr. med. Thomas Müller (Ravensburg)
Kurz-Vita:
Prof. Dr. med. Thomas Müller, M.A., Arzt und (Medizin-)Historiker, forschte und lehrte von 1998-2006 an der Charité-Universitätsmedizin Berlin, sowie 2006-2007 an der Universität Ulm. 2007 begründete er den von ihm seither geleiteten Forschungsbereich für Geschichte und Ethik der Medizin am Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm. Er habilitierte im Fach Geschichte und Ethik der Medizin an der Charité Berlin 2014. Es folgte die Um-Habilitation an die Universität Ulm; eine apl. Professur hat er dort selbst seit 2017. Er ist ebenfalls Leiter des Württembergischen Psychiatriemuseums sowie des Verlags Psychiatrie und Geschichte und koordiniert die „Historische Forschung“ aller Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg. Seit 2021 ist er Präsident der Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Nervenheilkunde (DGGN). Seit 2025 ist er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Historischen Museums (DHM) Berlin. Müller unterrichtet Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Universität Ulm sowie die Geschichte der Psychotherapie an der Universität Konstanz.
