Geschichte

Die Provinzial Irren Anstalt Rittergut Alt Scherbitz wurde am 01.07.1876 unter Leitung von Prof. Dr. Köppe gegründet.

Verwaltung H6

Weltruf erlangte die Klinik unter dem Wirken des Direktors Geheimrat Dr. Paetz. Als bedeutende Entwicklungen galten damals das Offen-Tür-System, die Kolonisierung der Geisteskranken, die Einführung des Wachsaalsystems sowie der Arbeitstherapie.

Geheimrat Dr. Paetz

Die Provinzial Irren Anstalt bestand damals aus einer Zentralanstalt mit einzelnen Versorgungsgebäuden. Zunächst waren hier 250 Kranke in den im typischen Pavillonstil erbauten Gebäuden untergebracht.

Bis 1912 kamen zahlreiche Neubauten, wie die Villen, das Siechenasyl, das Lazarett, die Kirche und das Gesellschaftshaus, hinzu.

Mitte der zwanziger Jahre erleichterten zahlreiche technische Neuerungen (z.B. die elektrische Stromversorgung, eine Warmwasseranlage und ein Röntgenapparat) die Betreuung der Patienten.

Neue therapeutische Verfahren (z.B. die Insulinschocktherapie oder die Cardiazolkrampfbehandlung) mussten während der Nazizeit gestoppt werden. Die Betreuungsleistungen reduzierten sich in dieser Epoche auf ein Minimum.

Stattdessen rückte die Arbeitstherapie zunehmend in den Vordergrund. Dies diente damals vor allem der Aufrechterhaltung des Anstaltsbetriebs.

Auch in Altscherbitz wirkte sich damit die Unmenschlichkeit des Faschismus auf die psychisch Kranken und geistig behinderten Menschen aus. Unter dem Deckmantel der Euthanasie wurden zahlreiche Kranke zwangssterilisiert oder sogar ermordet.

Über 1.800 Anstaltsinsassen fielen nach ihrer Verlegung ins nahe Bernburg der Vergasung zum Opfer.

Bis in die Mitte der fünfziger Jahre kam es noch zur Zweckentfremdung von Gebäuden. Ein Haus diente als Haftkrankenhaus, ein anderes als Tuberkulosestation.

In der Folgezeit stiegen die Aufnahmezahlen wieder an. Die Therapien basierten endlich wieder auf den Behandlungsgrundlagen des Anstaltsgründers.

Villa für Kranke

Im Jahr 1965 erhielt die Einrichtung mit dem Installieren der Neurologischen Abteilung, 1966 mit der Kinderneuropsychiatrischen Abteilung sowie 1968 mit der Neurologisch-Psychiatrischen Fachambulanz ein neues Profil.

So entwickelten sich aus verschiedenen Abteilungen die Psychiatrische Klinik, die Klinik für chronisch-psychische Krankheiten, die Neurologische und Kinderneuropsychiatrische Klinik mit jeweils eigenem Chefarztbereich.

Bis zur politischen Wende etablierten sich zusätzlich eine Psychotherapiestation, die Tagesklinik für Psychiatrie sowie eine Suchtstation. Die Kinderneuropsychiatrie wurde nach der Wende geschlossen.

Heute ist das Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie in Trägerschaft des Freistaates Sachsen, vertreten durch das Sozialministerium. Mit seinen 388 Betten und 63 tagesklinischen Plätzen ist es ein fester Bestandteil der Krankenhauslandschaft des Freistaates. Auf Beschluss des Einrichtungsträgers wurde im Juli 1992 das Krankenhaus mit der Abteilung Forensische Psychiatrie, dem Maßregelvollzug, ergänzt.

Aufnahmestation

Jährlich werden inzwischen circa 4.100 Patienten vollstationär bzw. teilstationär im Krankenhaus behandelt.

Die durchschnittliche Verweildauer unserer Patienten in der Klinik für Neurologie beträgt zehn Tage, die der Klinik für Psychiatrie circa 18 Tage und die der Tagesklinik rund 30 Tage.

Bundesweit anerkannte Behandlungs- und Therapiemethoden werden in der SKH Altscherbitz mit modernster Medizingerätetechnik umgesetzt.