Therapiekonzepte und Therapieangebote

Die Diagnosen der Patienten im Maßregelvollzug umfassen Persönlichkeitsstörungen, hirnorganische Störungen, Intelligenzminderungen, schizophrene Psychosen, sexuelle Störungen und Störungen des Sozialverhaltens. Bei zahlreichen Patienten finden sich Kombinationen verschiedener Diagnosen und zunehmend auch eine Alkohol- und Drogenabhängigkeit als Begleiterkrankung. Bei den Anlassdelikten zur Unterbringung im Maßregelvollzug handelt es sich überwiegend um Gewalt gegen Personen, Sexualdelikte und Gewalt gegen Sachen (z.B. Brandstiftungsdelikte).

Im Spannungsfeld zwischen Sicherungs- und Therapieauftrag bewegen sich die verschiedenen therapeutischen Ansätze der forensischen Abteilung.

Aufgrund der Komplexität der Erkrankung erfolgt die Planung und Durchführung der individuellen Therapie des Patienten durch ein multiprofessionelles Team. Die im Rahmen einer Therapie erreichten Fortschritte müssen die Patienten letztlich in konkreten Lebenssituationen außerhalb des einerseits gesicherten, zugleich aber auch beschützenden Rahmens des Maßregelvollzugs erproben. Dazu erfolgen entsprechend des Therapiefortschrittes und einer sorgfältigen Abwägung aller Risiken (Fluchtrisiko an sich, Risiko für die Begehung von Straftaten während einer Flucht) gewisse Lockerungen. Vom personalbegleiteten Ausgang innerhalb des Krankenhauses bis hin zu Langzeitbeurlaubungen mit sozialer und beruflicher Reintegration gibt es hierfür mehrere Abstufungen. Um einen möglichst objektiven Blickwinkel bei der Einschätzung von Risiken einer Vollzugslockerung zu erhalten, werden alle in die Therapie des Patienten integrierten Mitarbeiter einbezogen. Auch die Erkenntnisse externer Sachverständiger werden zur Objektivierung der Beurteilung genutzt.

Um die erreichten Therapieerfolge auch nach der Entlassung aus der Maßregel zu erhalten bzw. weiter zu stabilisieren, wurde eine Forensischen Ambulanz für die Nachsorge entlassener Patienten eingerichtet. Aufgrund der umfangreichen Kenntnisse über Krankheitsverlauf, Therapieverlauf sowie spezifische Risiken für destabilisierende Lebenssituationen besteht hier die Möglichkeit in enger Zusammenarbeit mit Führungsaufsichtstelle und Bewährungshilfe, sowie ambulanten psychiatrischen Versorgungseinrichtungen, Einrichtungen für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen u.a. entlassene Patienten längerfristig zu begleiten.

Konzeption der nonverbalen Gruppentherapie

Nonverbale Gruppentherapien (Ergotherapie, Sport- und Bewegungstherapie und Musiktherapie) sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung in der Forensik. Viele Störungen forensischer Patienten (z. B. auf dem Gebiet der Selbst- und Fremdwahrnehmung, der Kommunikations- und Beziehungsgestaltung und im Umgang mit inneren Impulsen) lassen sich mittels unterschiedlicher nonverbaler Medien in Gruppen effektiv therapieren. Zudem erleichtert das Anknüpfen an Interessen und Ressourcen vielen Patienten den Einstieg in die Therapie, fördert deren Motivation für eine Mitarbeit und steigert die Bereitschaft, sich auch mit eigenen Defiziten auseinanderzusetzen.

Die gruppentherapeutische Arbeit wird auf Grundlage der fachspezifischen Konzepte und anhand eines individuellen Behandlungsplanes konzipiert. Ausgehend von der Diagnose, den forensisch relevanten Problembereichen, dem aktuellen Therapiestand und den übergreifenden Therapiezielen des Patienten werden die individuellen Problembereiche identifiziert, um auf deren Basis die Zielstellungen der Gruppentherapien festzulegen.

Die Gruppen werden nach verschiedenen Kriterien zusammengestellt.

Bestimmend sind:

  • vor allem die Krankheitsbilder der einzelnen Patienten
  • deren aktuelle therapeutische Zielstellungen
  • die Auswahl der Methoden
  • der Grad der Strukturierung
  • die Rolle der Gruppendynamik.

Da sich ein Teil der übergreifenden Zielstellungen der Gruppentherapien decken (z. B. die Förderung von Kommunikation, Kooperation und Interaktion, die Förderung der Fähigkeit zur Selbst- und Fremdwahrnehmung und die Förderung der Ausdrucksfähigkeit), ist es häufig sinnvoll, mit gleicher Gruppenzusammensetzung in verschiedenen Therapieformen den therapeutischen Effekt der Behandlung zu erhöhen. So können sowohl die Patienten als auch die Gruppentherapeuten Erfahrungen und Entwicklungen der Patienten in den einzelnen Gruppen besser aufgreifen und aufeinander beziehen.