Porträt zur Facharztweiterbildung am SKH Altscherbitz

Porträtbild von Frederik Tenambergen sitzend am Computer, in Kamera schauend.

Frederik Tenambergen über seine Erfahrungen am SKH Altscherbitz

Frederik Tenambergen absolviert im Sächsischen Krankenhaus Altscherbitz seine Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Dabei rotiert er in die verschiedenen Fachabteilungen der Klinik. Aktuell ist er in der Abteilung Psychotherapie im Einsatz. 

Sein Medizinstudium hat der 30-jährige gebürtige Westfale an der Universität Lübeck abgeschlossen. Das Praktische Jahr (PJ) absolvierte er an einer Lübecker Klinik und war in dieser Zeit zudem in Newcastle in England. Nach Abschluss des PJ suchte er einen neuen Lebensmittelpunkt, und schnell fiel die Wahl aufgrund der kulturellen Angebote auf Leipzig. Für die entsprechende Facharztweiterbildung stand sein Entschluss schon länger: "Bereits während meines Studiums und auch im PJ habe ich die Psychiatrie für mich entdeckt, und so war es eine klare Entscheidung für diese Weiterbildung, die ich im Fachkrankenhaus Altscherbitz als eine der großen Kliniken im Großraum Leipzig durchlaufe."

In der Psychiatrie und Psychotherapie geht es um die umfassende Diagnostik und akutpsychiatrische, somatotherapeutische, psychotherapeutische sowie sozialpsychiatrische Behandlung von psychischen Erkrankungen. Weiterhin stehen auch Früherkennung, zum Beispiel von Psychosen und Demenz, sowie ambulante Behandlungen von psychisch schwer erkrankten Patienten in der Psychiatrischen Institutsambulanz im Fokus. Gerade weil die Ursachen der psychischen Erkrankungen sowie die Lebenssituationen der Patienten so vielseitig sein können und die Ausprägungen und Behandlungsansätze so verschieden sind, hat dieser Fachbereich einen besonderen Reiz auf Frederik Tenambergen ausgeübt. 

Rotation in mehreren Bereichen der Psychiatrie
"Bei einem Beinbruch ist schnell klar, was zu tun ist. Bei einer Depression hingegen muss ich mir das Gesamtgefüge des Patienten anschauen. Die Therapie kann also ganz unterschiedlich ablaufen und hängt von vielen Faktoren ab, die vielleicht erstmal gar nicht so offensichtlich sind. Auch der Ausgang ist viel ungewisser, und das alles macht den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu einem unwahrscheinlich weit gefächerten und spannenden Beruf für mich." Der Pflichtteil während dieser Ausbildung beträgt vier Jahre in der Psychiatrie, ergänzt durch ein zusätzliches neurologisches Ausbildungsjahr. 

"Am SKH Altscherbitz durchläuft man hierbei die Akut- und Sozialpsychiatrie, die Gerontopsychiatrie, das Zentrum für Suchterkrankungen und die Abteilung für Psychotherapie sowie die DBT-Tagesklinik für Borderlinepatienten", erklärt Dr. med. Barbara Richter, Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, die die volle Weiterbildungsermächtigung für den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie besitzt.

Am SKH ging es für Frederik Tenambergen im Oktober 2018 in der Gerontopsychiatrie los. Hier war er sowohl auf der offenen als auch zeitweise auf der geschützten Station im Einsatz. "Als angehender Facharzt wird man schnell eingebunden, übernimmt Visiten, die umfassende Diagnostik, Therapieplanung, Medikation in Absprache mit dem zuständigen Oberarzt." Auf den jeweiligen Stationen sind die Oberärzte für die angehenden Fachärzte immer erste Ansprechpartner. Vermittelt werden umfangreiche Kenntnisse und Fertigkeiten. Das sind neben den rechtlichen Grundlagen unter anderem die symptomen Komplexe der  verschiedenen psychischen Erkrankungen, Grundlagen der Diagnostik und entsprechende Therapien. Auch Kenntnisse im Einsatz der verschiedenen psychodiagnostischen Testverfahren, sowohl computergestützt als auch Paper/Pencil sind Bestandteil der Ausbildung.  

Die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team mit individuellen Fallbesprechungen und der Austausch mit den anderen Therapeuten (Ergo-,  Musik-, Physio-, Kunsttherapie, Sozialarbeiter etc.) sind ein fester Wochentermin für die angehenden Fachärzte. Zusätzlich finden regelmäßig  Supervisionen im Rahmen der Einzel- und Gruppenpsychotherapien statt.  Der gesamte Komplex der Facharztweiterbildung ist in der Weiterbildungsordnung der Sächsischen Landesärztekammer festgelegt.

Nach einem Jahr im Bereich der Gerontopsychiatrie begann für Frederik Tenambergen im Herbst 2019 der Einsatz in der Allgemeinpsychiatrie. Bis April 2020 war er auf der PA4, der psychiatrischen Aufnahmestation mit soziotherapeutischem Schwerpunkt tätig. Im Anschluss wurde er ab Mai 2020 im Zentrum für Suchterkrankungen eingesetzt, wo er auf der PS1 und PS2 Patienten mit Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhägigkeiten behandelte. 

Neben der Therapie von körperlichen Symptomen im Rahmen der Entgiftungsbehandlung steht dort die suchtmedizinische Beratung mit dem Ziel einer dauerhaften Suchtabstinenz für den Patienten und die Information über die Möglichkeiten der suchtspezifischen Weiterbehandlung (Rehabilitation etwa mittels motivierender Gesprächsführung) im Vordergrund. Ab April 2021 arbeitete er für ein halbes Jahr auf der PA5, einer geschützten Aufnahmestation für eigen- und fremdgefährdete schwer psychisch erkrankter Menschen mit einem Sonderbereich für geistig Behinderte.

"Nach dem Kennenlernen dieser Bereiche wird für mich zunehmend klar, dass ich mich vor allem in der Allgemein- beziehungsweise Akutpsychiatrie sehe und die Arbeit mich hier besonders erfüllt hat." Jeder Bereich hat seine Besonderheiten sowie Herausforderungen für ihn. "In der Gerontopsychiatrie erfährt man als Arzt, dass körperliche und psychische Erkrankungen oft Hand in Hand gehen. In der Suchtbehandlung benötigen Patienten oft viel Zeit, um eine eigene, individuelle Motivation zu entwickeln; man kann nicht mehr wollen als die Patienten. In der Akutpsychiatrie müssen viele akute Krisensituatuionen schnell deeskaliert werden, und im Nachgang ist es eine besondere Herausforderung, alle Lebens- und Problembereiche der Patienten zu erfassen und mit in die Behandlung einzubringen."

Wird ein Patient aufgenommen, so führt Frederik Tenambergen das erste Arztgespräch und macht die körperliche Untersuchung als Teil der Gesamtdiagnostik. Im Anschluss erfolgt der Austausch zum Therapieplan mit den Kollegen. Tägliche Visiten, wöchentliche Teambesprechungen mit allen an der Behandlung beteiligten Therapeuten ermöglichen jederzeit auf die individuellen sowohl medizinischen als auch psychischen Probleme des Patienten einzugehen.

Ausbildung zum Psychotherapeuten 
Im Rahmen der Facharztweiterbildung ist die zusätzliche externe Ausbildung zum Psychotherapeuten erforderlich. Frederik Tenambergen hat sich für die verhaltenstherapeutische Ausbildung entschieden und leistet die dafür notwendigen Therapiestunden (250), Fallseminare sowie Einzel- oder Gruppen-Selbsterfahrungen beim Sächsischen Weiterbildungskreis für Psychotherapie, Psychoanalyse und Psychosomatische Medizin Leipzig – SWK e. V. Leipzig ab. Vom SKH wird er dafür mit einem jährlichen finanziellen Zuschuss und fünf Fortbildungstagen im Jahr unterstützt. 

Seit Dezember 2021 wird diese mehr theoretische Ausbildung praktisch durch die Arbeit in der Abteilung für Psychotherapie des SKH Altscherbitz  ergänzt. „Ab Herbst beginnt dann mein zu absolvierendes Jahr in der Neurologie, wo dann die neuropsychiatrischen Erkrankungen im Fokus stehen. Danach würde ich gern wieder in der stationären Psychiatrie arbeiten.“ Ihren Abschluss findet die Facharztweiterbildung von Frederik Tenambergen dann mit einer theoretischen Prüfung zu allen Bereichen seiner Weiterbildung bei der Landesärztekammer Sachsen. 

Angehenden Fachärzten wird am SKH auch die Möglichkeit des ambulanten Arbeitens unter fachärztlicher Supervision ermöglicht. Seit 2019 betreut Frederik Tenambergen unter Supervision eines Oberarztes mittwochs eine allgemeinpsychiatrische Sprechstunde in der Psychiatrischen Institutsambulanz. Dazu wird ein familienfreundliches Dienstsystem mit maximal drei Nachtdiensten und maximal drei Spätdiensten im Monat garantiert. Jeden Dienstag finden Fortbildungen im SKH für alle Ärzte statt, wo es beispielsweise um wichtige Leitlinien oder neue Medikamente geht. Weiterhin wird in zusätzlichen  Ausbildungsseminaren am SKH durch die Oberärzte über rechtliche Grundlagen oder auch psychopathologische Befunde und wichtige hygienische Themen informiert. 

In seiner Freizeit geht Frederik Tenambergen gern aus, sei es zu Konzerten oder in Restaurants und Bars. Dazu fährt er gern Rennrad und freut sich täglich auf seinen Arbeitsweg. "Der führt nämlich von Leipzig-Plagwitz 13 Kilometer auf einem gut ausgebauten Radweg direkt neben der Elster nach Altscherbitz und ist ein weiterer Pluspunkt neben den anderen Vorteilen dieser Klinik."  Aktuell absolvieren mehr als 20 Ärzte ihre Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am SKH Altscherbitz. 

Teambesprechung in der Psychotherapie, mehrere Mitarbeiter des Teams sitzen im Kreis und besprechen sich.
Multiprofessionelle Teambesprechung in der Psychotherapie.
Beratung von Frederik Tenambergen mit einer Krankenschwester am SKH
Frederik Tenambergen bei der Aufnahme- und Entlassplanung mit einer der Schwestern.